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ÄGYPTEN geht uns alle an... Warum es so weit kommen mußte
Seit ich denken kann, hat mich das Land der Pharaonen fasziniert. Mit seinen grandiosen Bauwerken, seiner überragenden, einmaligen Kunst habe ich mich jahrelang ausgiebig beschäftigt und meine Begeisterung darüber in VHS-Kursen und Vorträgen weitergegeben. 1984 bereiste ich zum ersten Mal Ägypten; 2001 habe ich eine Gruppe Erdheilerinnen durch das Land geführt und 2009 die zweite. 2007 erschien mein Buch „Geheimes Wissen neu entdeckt: Tempel in Ägypten“. Im November 2010 war ich zum 10. Mal in meinem geliebten Land am Nil – und total geschockt.
All die Male vorher hatte ich immer, wo ich auch ging, ob in Kairo oder Luxor, in der Wüste, am Nil, in den Dörfern oder Heiligtümern, das herrliche Gefühl: ich bewege mich auf heiligem Boden, bin im heiligen Land. Die Energie, die von Mutter Erde in meinen Körper strömte, war kraftvoll, beruhigend, stärkend. Manchmal war das Pulsieren in meinen Handinnenflächen so heftig, daß sie rot wurden. Nirgendwo sonst auf der Welt (außer vielleicht in Peru) war die Verbindung zwischen unserem Planeten und dem Kosmos so präsent für mich wie im Lande Kemet. Nach jeder Reise kehrte ich gestärkt und erfrischt zurück.
Doch dieses Mal war alles anders. Obwohl ich eine Woche lang durch die Wüste und ihre Oasen reiste und mich dann noch zwei Wochen in Luxor und seinen Tempeln in Ruhe umsah, entstand nicht ein einziges Mal dieses Gefühl der Verbundenheit, der Erhabenheit, des Geborgenseins, der Stärke. Der Boden unter mir vibrierte, aber nicht angenehm. Die aufsteigenden Energien waren zerfranst, ungeordnet, wirr - sogar in der Wüste.
Ich fragte mich, ob das an den unendlichen Menschenmassen liegt, die nun seit Jahren durch die Heiligtümer traben, Tendenz steigend. Viele Besucher total unbedarft, häufig auch uninteressiert, nur darauf bedacht, ein Foto von sich vor den Pyramiden nach Hause zu tragen... Und das, wo die Grabstätten nur für bestimmte Personen geschaffen wurden, um ihre Ruhe in der Ewigkeit zu gewährleisten... wo die Tempel Heiligtümer waren, in denen die Götter ihre irdische Heimstatt fanden, verehrt in Ritualen von Eingeweihten, die die Kosmische Ordnung auf der Erde aufrechterhielten...
Von Kosmischer Ordnung war diesmal gar nichts zu spüren. Und bald danach brach ja auch die irdische „Ordnung“ auseinander... Es war aber vor allem auch die Niedergedrücktheit der Menschen, die mich sehr traurig machte. Sie hing wie eine dunkle Wolke über dem Land.
2004 habe ich meinen Taxifahrer Ahmed kennengelernt, mit dem ich seitdem befreundet bin. Durch ihn erfuhr ich viel über den normalen Alltag eines typischen Ägypters, was mich zutiefst erschütterte und meine Begeisterung für das heutige Land sehr bremste. Mittlerweile sind ja viele Details an die Öffentlichkeit gekommen, von denen die meisten Touristen vorher nicht die geringste Ahnung hatten.
Die ungeheure, willkürliche Macht selbst des einfachsten Straßenpolizisten habe ich selbst erlebt. Um nur ein Beispiel zu nennen: A holt mich abends an der Westbank ab, weil wir auf dem Dachgarten eines dortigen Hotels den Anblick des beleuchteten Luxor-Tempels auf der anderen Nilseite genießen wollen. Was geschieht? Ein Polizist versperrt uns den Weg, A muß ein Bakschisch rausrücken, dann erst dürfen wir weitergehen. Auf meine Frage erfahre ich: wenn er das nicht gegeben hätte, hätte der Mann später, wenn ich zurückfahren wollte, Streß gemacht. Und Streß machen heißt hier: ab ins Revier, womöglich in die Zelle. Ohne Begründung und ohne zeitliche Begrenzung, ohne Information von irgendjemandem außerhalb. Ist A mehrfach passiert....
Seit einigen Jahren ist in jedem Hoteleingang ein Polizist stationiert; angeblich, um die Touristen zu beschützen. Merkwürdig ist dabei nur, daß ich überall völlig unkontrolliert hineinspazieren kann, mein einheimischer Taxifahrer aber, den alle kennen (auch als meinen Fahrer und Freund) darf das nicht! Er muß nicht nur seine Fahrerlizenz und Autopapiere zeigen, sondern abgeben! Wie demütigend ist so etwas für einen stolzen Araber! Daher bleibt er lieber vor der Tür...
Aber da wartet die nächste Demütigung. Vor jedem Hotel mit Auffahrt sitzt ein Wächter. Was die eigentlich bewachen, war mir nie klar, bis zum letzten Besuch. Diese Wächter verlangten stets Bakschisch von A (und zwar mehrfach), weil er mich abholte und deswegen halten mußte. Außerdem maulten sie ihn an; mir gefielen sie allesamt nicht. So beschloß ich, ihnen diesmal jeweils 5,-€ zu geben, damit Ruhe war. Ich dachte mir, daß sie auch mal beachtet werden wollten... Welch eine Wandlung! Selbst der unfreundlichste konnte plötzlich lächeln! Man geleitete mich am Arm über die Straße, man winkte mir zu, A bekam immer einen Platz zugewiesen... Dann zeigte mir einer das „Buch“, das ich vorher nie gesehen hatte. Das war ein dicker Aktenordner, in dem doch tatsächlich jedes – aber auch jedes! – Gefährt aufgelistet war, das vorm Hotel hielt! Das also bewachten sie: ihre Mitmenschen. Kontrolle bis ins letzte. Kontrolle war ein durchgängiges Thema...
Ebenso wie die entsetzliche Armut, die 2010 noch schlimmer geworden war. Die Lebensmittelpreise waren allesamt gestiegen, genauso wie Strom und Wasser. Brot kostete inzwischen das Doppelte ebenso wie Benzin. Es ist nicht zu fassen, mit wie wenig ein Ägypter auskommen kann bzw.muß: Eine Familie, die auf dem nackten Fußboden ihr karges Mahl einnimmt, von Blechtellern, die im Schmutzwasser des Nilkanals abgespült werden... einen Tisch gibt es nämlich nicht. Die Masse wird künstlich arm gehalten und zudem schamlos ausgebeutet. (Um das näher zu schildern, reicht dieser Artikel nicht.) Im Supermarkt z. B. sind keine Preise ausgeschildert, so daß ein Preisvergleich unmöglich ist. Also kaufen arme Leute notgedrungen teure Produkte.
Eine Riesenkluft zwischen arm und extrem reich herrscht in vielen Ländern, ist aber in diesem Land, das der Welt so viel gegeben hat und noch geben wird, vor allem in spiritueller Hinsicht, einfach unerträglich. Es gibt keine wirkliche Infrastrukur abseits der Touristenpfade, keine funktionierende Müllabfuhr, kein ordnendes Gemeinwesen (außer vielleicht den Mullahs), dafür aber ein täglich zusammenbrechendes Telefon- und Stromnetz. Auch das Internet geht nicht immer; nicht nur, wenn es gezielt abgeschaltet wird.
Die Menschen müssen für ihr mühseliges Dasein so hart kämpfen, schuften und ernten doch nur Schulden. Das muß sich endlich ändern. Wie man ihr Gefühl der Ohnmacht gegenüber den unverschämten Mächtigen und ihrer alles durchdringenden Korruption beseitigen kann, weiß ich nicht. Ich habe es erlebt, wie total lähmend es wirkt, wenn man für alles und jedes Geld bezahlen muß, das man eigentlich gar nicht hat. Das nimmt auf Dauer den Lebensmut.
Solange Ägypter dermaßen um ihr nacktes Überleben kämpfen müssen, können sie sich in ihrer Not nur durch Gebete Allah zuwenden. Seit Jahren beobachte ich eine zunehmende Hinwendung zur Religion. Unter diesen Umständen wächst natürlich die Gefahr des fanatischen Fundamentalismus und des daraus resultierenden Fremdenhasses.
Auch darum meine ich, daß wir gefordert sind, etwas für dieses liebenswerte Volk zu tun. So habe ich bereits am 22. Januar eine Erdheilung für Ägypten zelebriert. Wir haben ganz viel Licht in das Land der Pharaonen geschickt und verankert...
Eine junge Frau aus Kairo hat bei Demos am Tahrirplatz mit 1200 jungen Leuten für den Frieden meditiert. Gerne gebe ich ihren Vorschlag weiter, sich jeden Tag gegen 17 Uhr MEZ (oder wann es sonst paßt) mit Ägypten geistig zu verbinden und gute Gedanken für Frieden und die richtigen Entscheidungen für alle auszusenden. Glauben Sie mir: es wirkt tatsächlich!
In diesem Sinne: machen Sie mit, helfen Sie dem heiligen Land und seinen freundlichen Menschen...
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